feministisches Investment?

Gestern war ich wieder mit meinem Kollegen aus der Investor Relations Abteilung zum Essen. Während er noch am telefonieren war, blätterte ich durch einige Zeitschriften, die im Aufenthaltsraum rumlagen. Unter anderem hat IR auch die „Börse Online“ abonniert. (Nicht dass ich die Zeitung empfehlen würde, immerhin aber gibt sie sich noch einen halbwegs seriösen Anstrich, im Gegensatz zu dem Revolverblatt „Der Aktionär“.) Da mich alles zum Thema ETF interessiert, las ich auf Seite 25 der Ausgabe 36 einen Artikel unter der Überschrift

Frauen hoch gewichtet

Der Artikel stellt den ETF LYXOR GLOBAL GENDER EQUALITY vor, der in 150 Firmen investiert, deren oberes Management gleich mit Männern und Frauen besetzt ist. Der TER ist mit 0,20% angenehm niedrig, leider thesauriert der ETF Dividenden.

Als Beispiel wird ausgerechnet der Kosmetikkonzern L’Oréal angepriesen. Aber von EQUALITY kann leider keine Rede sein, der Konzern scheint nämlich Männer bei der Stellenvergabe zu diskriminieren:

70 Prozent der Belegschaft sind weiblich
63 Prozent aller Führungspositionen sind Frauen
46 Prozent der Aufsichtsratsmandate halten Frauen (8 Männer, 7 Frauen)

Gleichstellung heißt doch 50:50 oder? Gibt es bei L’Oréal einen Männerbeauftragten, der sich um die Belange der Minderheit kümmert? Ist sich HR bewusst, dass Sie mehr Männer rekrutieren müssen? Wird ein Boy’s Day veranstaltet, um männliche Schulabgänger und Studenten für das Unternehmen zu gewinnen? Nur so ein Gedanke von mir …

BO schreibt weiter begeistert: Die Aktie habe in den letzten 5 Jahren um 60% zugelegt. Naja, das ist nun wirklich keine gute Performance. Schauen wir uns mal die 5-Jahres Performance ein paar „Unternehmen des bösen Patriarchats“ an:

  • Der böse Flugzeug und Waffenhersteller Boeing: 264%
  • Der böse Waffenhersteller Rheinmetall: 123%
  • Der böse Autoverleiher Sixt (Vz.): 357%
  • Die böse Bank JP Morgen Chase: 144%
  • Der böse Zahlungsdienstleister Wirecard: 643%
  • Der böse Vermieter Vonovia: 144%

Von Apple, Amazon, Facebook, Tesla usw. will ich gar nicht erst anfangen. Alles Unternehmen, die von Männern gegründet, zum Erfolg geführt und aktuell immer noch geleitet werden.

Kann es vielleicht sein, dass L’Oréal bei Frauen deshalb so beliebt ist, weil das Unternehmen Produkte herstellt, die überwiegend von Frauen benutzt werden? So nach dem Motto: Das kennt frau, da will frau arbeiten?

Entlarvend auch das zweite genannte Unternehmen, der US Einzelhändler Target. Die Hälfte der Stores wird von Frauen geführt, was sinnvoll sei, da 75% der Kunden weiblich sind. Ja, sie geht los, um sein Geld auszugeben. :-/

Was ich nicht verstehe, wenn der ETF in Unternehmen investiert, deren Management paritätisch (oder wie bei L’Oréal mehrheitlich mit Frauen) besetzt ist, warum dann das Investmentrisiko als „hoch“ eingestuft wird?

Börse Online schrieb so begeistert über 2 Unternehmen aus dem ETF, aber wie sieht die Performance des ETF LYXOR GLOBAL GENDER EQUALITY wirklich aus? Bescheidene 5% seit Auflage im Oktober 2017!

Wenn ich mir z. B. meinen S&P500 ETF im Vergleich anschaue (16% auf 1 Jahr, 71% auf 5 Jahre) dann bleibe ich lieber bei den klassischen Indizes. Leider habe ich damals keine ETFs auf den Nasdaq 100 gekauft, da wäre jede Frau trotz Make-Up und Lippenstift von L’Oréal blass geworden: 26% auf 1 Jahr, 138% auf 5 Jahre. Gendergaga ist eben keine ernsthafte Basis für ein Investment!

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