Die Werte des Sigma Mannes

Der Sigma entspricht meiner Meinung nach am ehesten dem typischen mgtow Mann. (Eine Definition habe ich hier verfasst: Link). Der mgtow YouTube Content Provider „The Solitary Wolf“ hat nun ein Video erstellt, in dem es um die Werte des Sigmas geht.

Schauen wir uns die Werte mal im Einzelnen an:

1 – No need to proof anything (Kein Wunsch nach Bestätigung)

Guter Start, lieber Wolf! In der Tat liegt dem Sigma Mann nichts ferner, als nach Bestätigung zu suchen. Insbesondere nicht von Frauen, aber auch von allen anderen Menschen, die um ihn herum existieren. (Nachbarn, Verwandte) Der Sigma ist sich bewusst, dass das Erlangen von Bestätigung von Anderen ein zeitaufwendiger und mitunter kostspieliger Prozess sein kann. Darauf lässt sich der Sigma nicht ein. Seine Zeit und sein Geld gehören ihm allein und er ist nicht bereit, diese mit anderen zu teilen. Eine Einschränkung möchte ich aber machen: Wenn es um die berufliche Karriere geht, ist es notwendig, sich gegenüber Kollegen und Vorgesetzten zu positionieren und Arbeitsergebnisse ins rechte Licht zu rücken. Der Beruf ist nun mal ein notwendiges Übel und von der Bestätigung der eigenen Arbeitsleistung durch Vorgesetzte hängt ab, wie weit Mann Karriere macht. Selbstständigkeit ist übrigens keine Alternative, man hat dann zwar keinen Vorgesetzten, aber ist dafür direkt von der Bestätigung durch die Kunden abhängig.

2 – Autonomy (Autonomie)

Im Prinzip ist die Autonomie die direkte Folge von 1. Autonomie ist Freiheit und Unabhängigkeit von Anderen. Wer kennt sie nicht, die Männer, die immer erst ihre Frau (häufig „ihre Regierung“) fragen müssen, ob sie mit dem Sigma in die Kneipe, ins Fitnessstudio, zum Fußball oder sonst wo hin dürfen? Ein Sigma braucht keine Erlaubnis, dies oder das zu tun. Automonie ist maximale Freiheit! Solitary Wolf spricht auch wieder die Arbeitswelt an. Hier muss man glaub ich mehr differenzieren. Weit verbreitet in der Arbeitswelt ist das Peter Prinzip, das besagt, dass jemand bis an die Grenze der Inkompetenz befördert wird. Viele Vorgesetzte wirken daher auf ihrer Position inkompetent. Inkompetente Vorgesetze sind natürlich ein Graus, aber sie sind auch schwache Vorgesetzte, die von ihren Untergebenen abhängig sind. Entweder der Sigma nutzt die Inkompetenz aus oder er wechselt den Arbeitgeber. Ich selbst hatte viele Jahre einen absolut inkompetenten Chef. Er war nicht mehr als ein Unterschriftenautomat. Erst war ich irritiert, aber dann hab ich es genossen: Ich konnte tun und lassen, was ich wollte. Jetzt hab ich eine kompetente Chefin (!), die meine Arbeit zu würdigen weiß. Sie lässt mich gewähren so lange die Ergebnisse stimmen. Auch eine Form von Autonomie!

3 – Ideological Independence (Ideologische Unabhängigkeit)

Ich bin Atheist. Kaum 18 geworden, bin ich ins Amtsgericht meiner Stadt marschiert und habe meine freie Willensbekundung unterschrieben, die Amtskirche mit sofortiger Wirkung zu verlassen. Meiner Meinung nach sollte jeder Mensch sich aus dem Denkkorsett Religion lösen, unabhängig davon, welcher der 3 Weltreligionen man angehört hat. (Von Sekten und ähnlichen will ich gar nicht erst anfangen.) Religionen vertragen sich nicht mit kritischem Denken. Religiöse Führer mögen keine Gläubigen, die hinterfragen. Sigmas sind dagegen Freigeister, die grundsätzlich hinterfragen und kritische Distanz wahren. Nicht unähnlich religiösen Führern sind Politiker. In deutschen Parteien werden Lemminge herangezüchtet, die Abnicken, was der große Führer, oder in der CDU, die große Führerin vorgibt. Ein Zustand, der für einen Sigma unerträglich ist.

4 – Intellect (Intellekt)

Der Sigma befindet sich in einem kontinuierlichen Prozess des Studierens, Beobachtens und Analysierens der Welt um ihn herum. Er will verstehen, wie Prozesse funktionieren und auf einander einwirken. Unbekanntes wird demystifiziert, in dem der Sigma selbstständig in die neue Materie eindringt und sich das notwendige Wissen aneignet. Ein Mann muss nicht notwendigerweise studiert haben. Aber mit einem Studium (nicht der Gender Gaga „Wissenschaften“) hat er bewiesen, komplexe Zusammenhänge zu verstehen und interpretieren zu können. Der alte Spruch „Man lernt nie aus.“ hat für den Sigma dauerhafte Gültigkeit. Wissen macht nicht nur Spaß, Wissen ist sexy. Nicht rohe Gewalt sondern Wissen erhebt den Sigma heute über andere Männer und Frauen!

5 – Adaptability (Anpassungsfähigkeit)

Das Anpassen an neue Begebenheiten, egal ob bei Kleinigkeiten oder im Beruf zeichnen den Sigma aus. Wie Wasser sucht er sich einen Weg an den Hindernissen vorbei. Sein Weg kann nicht aufgehalten werden. Auch im Umgang mit anderen Menschen beweist der Sigma Anpassungsfähigkeit. Ob Small Talk mit Unbekannten bei Messen, Konferenzen oder im Urlaub, ob geduldiger Zuhörer bei guten Freunden oder als Manipulator bei Entscheidungsträgern, stets weiß der Sigma, was zu tun ist. Wo ich nicht zustimmen kann, ist dass der Sigma ein Einflüsterer für einen Alpha sein kann. Der Sigma verachtet den Alpha für sein aufgeplustertes Gehabe, für seine gockelhafte Imponier-Inszenierung, für seinen Drang nach Bestätigung, insbesondere von Frauen. Den Alpha von seinem Podest zu holen, seine Schwäche aufzuzeigen ist eher das Ding des Sigmas.

Im Berufsleben gilt dies natürlich nicht. Führungskräfte weit oben in der Hierarchie sind meistens Alphas. Hier nutzt der Sigma seine Anpassungsfähigkeit, um Einfluss zu gewinnen und seine berufliche Karriere durch den Alpha zu fördern.

Es gibt viele Methoden, Menschen im eigenen Sinne zu manipulieren oder von diesen manipuliert zu werden. Die Fachliteratur dazu ist kilometerlang. Dennoch ist es unabdingbar, dass der Sigma sich mit Manipulationsmethoden beschäftigt. Manipulation klingt zwar sehr negativ, ist aber auch ein wichtiger Teil der Anpassungsfähigkeit.

6 – Solitude (Abgeschiedenheit / Einsamkeit)

Solitude wird häufig zuerst mit „Einsamkeit“ übersetzt. Ich finde den Ausdruck „Abgeschiedenheit“ treffender. Ein Sigma sucht nicht die Einsamkeit, sondern hat das Bedürfnis, sich hin und wieder zurückzuziehen, um über bestimmte Dinge, oder sich selbst zu reflektieren, zu philosophieren, zu studieren. Er nimmt eine temporäre Auszeit von anderen Menschen. In dieser Zeit plant er für die Zukunft, kümmert sich um seine Gesundheit oder verarbeitet Dinge aus der Vergangenheit. Anschließend tritt er gestärkt wieder hinaus in die Welt, interagiert mit anderen. Der Sigma ist kein Eremit. Der Sigma verschließt sich nicht vor der Welt.

7- Introspection (Selbstwahrnehmung)

Der Sigma beobachtet nicht nur die Welt um ihn herum kritisch, sondern auch sich selbst. Selbstwahrnehmung und Selbstkritik sind wichtig, verhindern sie doch, dass der Sigma sich seltsame Marotten zulegt oder zum Eigenbrödler wird. Da der Sigma nicht auf das Urteil und die Bestätigung anderer Menschen Wert legt (außer im Beruf), muss er selbst über sich richten. Das Urteil anderer muss zudem nicht zwangsläufig objektiv sein. Aussagen anderer können manipulativen Charakter haben.

Zur Selbstwahrnehmung gehört nicht nur, die eigenen Handlungen aus der Vergangenheit zu prüfen und zu bewerten, sondern auch Pläne für die Zukunft zu schmieden und abzuwägen. Die Selbstwahrnehmung sollte permanent sein, obwohl die beste Zeit dafür natürlich in den Phasen der Abgeschiedenheit ist. (Siehe 6)

8 – Civil disobedience (Ziviler Ungehorsam)

Nun ja, hier vertrete ich einen etwas anderen Standpunkt als der Solitary Wolf. Ich gehe mit ihm konform, dass nutzlose und lächerliche Regeln als Nichtexistent betrachtet werden sollen und die Leute, die sie aufgestellt haben, der Lächerlichkeit preisgegeben werden müssen. Das macht sogar Spaß. Aber wo ist die Grenze? Wenn wir alle Regeln in Frage stellen, haben wir Anarchie, das Faustrecht und die Auflösung der staatlichen Ordnung. Ab wann sind wir Schafe, wieviel Wolf ist in uns? Der Sigma stellt sich erst einmal dieser Frage und ist damit schon weniger Schaf als 90% aller anderen Menschen. In einer Nichtraucherzone zu rauchen oder Fahrrad nicht auf dem Fahrradweg sondern auf dem Fußgängerweg zu fahren macht aus dem Schaf keinen Wolf! Sorry, da musste ich wirklich lachen. Der Wolf von heute nutzt die Lücken im System, solange es sie gibt. Ich habe 15 Jahre lang keine GEZ Gebühr gezahlt, bis das System umgestellt wurde und jeder Haushalt zwangsweise die Demokratiesteuer bezahlen muss. Ich hab während meines Studiums meinen Zweitwohnsitz nicht angemeldet und die entsprechende Steuer eingespart. (Alles verjährt!) 🙂 Ich habe den Generationenvertrag mißachtet, indem ich nicht geheiratet und Kinder in die Welt gesetzt habe. Reicht das um ein Wolf zu sein? Nach wessen Definition? Ich weiß es nicht. Ich denke, es ist wichtig, den Mächtigen auf die Finger zu klopfen und ein bisschen wie der Hoffnarr im Mittelalter den Finger in die Wunde zu legen. Vielleicht liegt es auch daran, dass es mir in dem System, wie wir es in Deutschland haben, gut geht, dass ich nicht mehr Veränderung will? Das Wesen des mgtow ist es ja auch nicht, anders als die MRAs, eine Veränderung im Zusammenleben der Geschlechter herbeizuführen, sondern sich auf sich selbst zu konzentrieren.

9 – Winning by not playing (Siegen durch Weigerung, nach den Regeln zu spielen)

Der Sigma entscheidet sich zumeist gegen kräftezehrende und unnötige Kämpfe, um die Rangfolge in der Hierarchie zu bestimmen. Gerne überlassen wir es den Alphas, sich den Thron zu erkämpfen und sich dann in endlosen Abwehrkämpfen zu verschleißen. Ganz wie die Männchen in einem Löwenrudel. Wir stellen nicht wie die Betas Frauen auf ein Podest, um sie anzuhimmeln und wie die Orbiter unterwürfig ihre Forderungen zu erfüllen. Welchen Rang andere uns zustehen ist uns egal und damit haben sie auch keine Macht über uns. (Wie üblich: gilt nur eingeschränkt für die Berufswelt.) Wir sind die innerlich lachenden Dritten, die am Rande des Boxrings zusehen, wie unsere Leithammel sich gegenseitig zu Grunde richten und ihre unterwürfigen Lemminge ihnen dienen. Der Sigma hasst die Attitüden der Aphas und er verachtet die Kriecherei der Betas und Omegas. Der Sigma weiß, dass seine Einstellung bei Alphas, Betas und Omegas nicht auf Gegenliebe stoßen wird. Er ist daher der Wolf im Schafspelz und er wird alles dafür tun, die Tarnung aufrecht zu erhalten.

10 – Silence is golden ([Reden ist Silber,] Schweigen ist Gold)

He who knows, does not speak. He who speaks, does not know.

Lao Tzu

Better to remain silent and be thought a fool than to speak out and remove all doubt.

Abraham Lincoln

Die genannten Sprichwörter geben es perfekt wieder. Mithören ist besser als sich verquatschen. Statt sich wichtig zu machen, ist es besser, Geheimnisse zu bewahren. Und selbst wenn uns die Meinung anderer über uns meist egal ist: Sich durch eigene Dummheit der Lächerlichkeit preiszugeben, sollte auch ein Sigma dringend vermeiden.

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Ein Gedanke zu “Die Werte des Sigma Mannes

  1. Interessanter Beitrag, Danke.
    Ich las ihn aus der Perspektive eines introvertierten Mannes.
    Als Introvertierter kann ich unmöglich Alpha sein. Das Aufplustern und die Revierkämpfe sind gegen meine Natur. Als introvertierter Bluepiller bleiben mir also nur noch die Rollen als Betaversorger oder Omega-Incel.

    Und ja, fast alle Eigenschaften eines Sigmas treffen auf Introvertierte zu. Seine Unabhängigkeit ist dem Intro wichtig. Der Wunsch nach Abgeschiedenheit, den er braucht, um seine innere Batterien.

    Für mich als alter weisser Mann ist der Sigma das Ziel meines Weges. Als Beta war ich schon immer untauglich und in der Opferrolle (Omega) wollte ich nie verharren. Schade, dass es MGTOW-Seiten nicht schon Anfangs 90’er gab. Das hätte mir viel Pein erspart. Ich passte schon damals in kein Schema, und würde mich heute eher einem Zeta mit Sigmaallüren zuordnen.

    Ich bin der Meinung, der Sigma ist ein Introvertierter mit Alphaqualitäten, während der Zeta ein Introvertierter ist, der den Opt-out vom Bluepill-Leben gezogen hat.

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