netzwerken

Hallo Männer, nach einer viel zu langen Auszeit bin ich wieder zurück. Es hat sich gerade so viel in meinem beruflichen Leben ereignet, dass ich das Bloggen für eine Zeitlang nicht fortführen konnte.

Wie ich häufiger geschrieben habe, bin ich beruflich in der IT unterwegs. Mein Berufsfeld ist relativ klar abgegrenzt. Man kennt sich nicht nur in der eigenen Firma, sondern kennt auch die Kollegen in dem Bereich bei der deutschen und zum Teil bei der europäischen Konkurrenz. (Besonders trifft dies auf ITler aus der Schweiz, Österreich und Holland zu). Es gibt 2 große Branchentreffen im Jahr, einmal eine Messe in Deutschland und einmal in Holland, wo dann auch viele angelsächsische Kollegen vor Ort sind. Mit vielen Konkurrenten verbindet sich ein eher freundschaftliches, entkrampftes Konkurrenzdenken. Man weiß, wer welche Kunden bearbeitet, wer ein Mandat verloren oder gewonnen hat. Welche Kunden problemlos sind und welche einem den letzten Nerv kosten. Auch wenn Kollegen zur Konkurrenz gehen, bleibt der Kontakt in vielen Fällen erhalten, sei es durch Xing oder international durch LinkedIn.

Unverhofft kommt oft. Letztens bekam ich einen Anruf eines ehemaligen Kollegen, mit dem ich viele Jahre zusammengearbeitet habe und der nach Meinungsverschiedenheiten mit seinem Vorgesetzten meinen Arbeitgeber im Streit verlassen hat. Dieser Kollege, mit dem ich immer ein paar Bierchen auf den Messen trinken gehe, kontaktierte und informierte mich, dass in seinem Unternehmen eine Führungsposition freigeworden ist, diese zwar intern ausgeschrieben wurde, aber intern nach Meinung des oberen Managements kein passender Kandidat im eigenen Unternehmen ist. (Die interne Ausschreibung wurde nur gemacht, um den Betriebsrat zufrieden zu stellen.) Ich sollte doch, falls ich Interesse hätte, eine Initiativbewerbung schicken und so evtl. einen Vorsprung vor Anderen erlangen, die erst auf die reguläre Stellenausschreibung reagieren können. Ich hab mich dann mit dem Kollegen und seinem direkten Vorgesetzten getroffen und mir angehört, was sie sich so vorstellen und was sie dafür bereit sind, springen zu lassen.

Was mir zuerst einmal aufgefallen ist, war der Level an Professionalität im Gegensatz zu meinem jetzigen Arbeitgeber. Alles war entsprechend vorbereitet, vom Pförtner, der mich sofort anhand des Nummernschilds auf den Firmenparkplatz lies, über den Empfang, der meine Gesprächspartner sofort über mein Eintreffen informierte und mir ein vorbereitetes Namensschild überreichte. Beide Gesprächspartner warteten schon auf mich. Wir zogen uns dann in einen kleinen Besprechungsraum zurück, der nicht nur alle wichtigen Getränke (Wasser, Kaffee, Tee) bereithielt sondern auch mit neuster Technik versehen war. Monitorwand, Konferenzsystem in der Tischmitte (Audio und Video) etc. Einfach vom Feinsten, bequeme Stühle, die nicht abgewetzt sind und sauberer Teppich, in dem man so 1-2 Millimeter einsank, wenn man darüber lief. Die beiden erklärten mir dann, welche Position zu vergeben ist, was vom Bewerber an fachlicher und disziplinarischer Führung erwartet wird. Das fachliche ist eh kein Thema. Das zu führende Team umfasst 12 Personen, alles Männer. Hurra, in der IT ist die Welt noch in Ordnung.

Was mein Exkollege allerdings nicht wusste, ist dass ich nicht der einzige Bewerber sein werde. Natürlich haben auch andere mitbekommen, dass die Stelle vakant ist und über ihre Netzwerke entsprechende Personen informiert. Die Firma wird daher ein klassisches Assessment-Center durchführen, 3 Tage in einem Hotel. Im ersten Moment hätte ich natürlich kotzen können, 3 Tage AC, 3 Tage Labor Ratte spielen und von einer Gruppe von klemmbretttragenden Personalern seziert zu werden. Aber gut dachte ich,  nimm es sportlich und setz dir zum Ziel, das AC als Klassenbester zu bestehen. Ich habe mir dazu erstmal ein Fachbuch gekauft und bei einem renommierten AC-Coach ein Seminar zum Thema AC gebucht. Ich hab dazu natürlich Urlaub nehmen müssen, aber da ich unbedingt die Chance nutzen will und das AC volle 3 Tage geht, was ich für übertrieben halte, wollte ich optimal vorbereitet sein. Und so waren die Abende nicht mit Freizeit, Hobbies oder Müßiggang verplant sondern mit AC üben, üben und noch mehr üben. Rollenspiele, Vorträge, Selbstpräsentation, Postkörbchenspiele, strukturierten Interviews, Tests usw. Ganz nebenbei habe ich meinen Lebenslauf auf den neusten Stand gebracht und zusammen mit den restlichen Bewerbungsunterlagen online per Email abgeschickt. Danach hörte ich eine Weile nichts mehr und auch meine Quelle konnte mir keine Infos geben, da die Personalabteilung wasserdicht ist. Aber gut, das Coaching war zwar anstrengend und hat viele Mängel bei mir offenbart, die ich dann aber abstellen konnte, da sie mir schmerzhaft bewusst gemacht wurden. Und dann bekam ich die Einladung zum AC, 4 Tage, bevor es beginnt. Gut, dass ist heute Taktik, aber ich brauchte nun wieder 3 Tage Urlaub, die mir meine Chefin erst nicht genehmigen wollte. (Ob sie was geahnt hat?). Naja, jedenfalls war ich am ersten Morgen pünktlich am Hotel, erhielt mein Zimmer und dann begann direkt das AC. Ich erhielt einen Übersichtsplan, wann was anstand. In Summe waren es 4 Rollenspiele, 3 Präsentationen, davon eine ad hoc ohne jede Vorbereitungszeit, 2 Gruppendiskussionen, eine moderiert, eine unmoderiert, 2 Postkorbaufgaben und 3 psychometrische Tests. Die Rollenspiele waren teilweise echt hart, eines war ein Stresstestrollenspiel, wo mich der simulierte Vorstand richtig niederträchtig angegangen ist. Am späten Nachmittag gab es jeweils ein Feedbackgespräch, ob man weitergekommen ist oder woran es gelegen hat, dass man abreisen „durfte“. Dank der exzellenten Vorbereitung und vor allem des Coachings habe ich das AC komplett bestanden und am Ende auch die meisten Punkte erhalten. Jedenfalls erhielt ich weitere 3 Tage später einen Anruf der Personalabteilung, dass Sie meinen Vertrag vorbereiten und ich zu Gehaltsverhandlung etc. noch einmal vorbeikommen sollte. Diesmal blieb mir nichts anderes übrig, als mich einen Tag krank zu melden. Einen weiteren Tag Urlaub hätte ich nicht bekommen. Die Gehaltsverhandlung verlief absolut harmonisch, meiner Gehaltsforderung wurde sofort entsprochen. (Vermutlich hätte ich demnach sogar mehr verlangen können, aber gut, ein Mann steht zu seinem Wort.) Gemeinsam mit der Personalerin sind wir dann den Vertrag Paragraph für Paragraph durchgegangen. Erstaunlich viel entsprach den Konditionen, die auch bei meinem Arbeitgeber gang und gebe sind. Jedenfalls habe ich gleich unterschrieben. Einige Tage später hatte ich ein vom Vorstand gegengezeichneten Vertrag in der Post. Und so habe ich am nächsten Tag schriftlich gekündigt. Meine Chefin war natürlich „not amused“ und bestand auf Einhaltung der Kündigungsfrist. Nichts anderes hatte ich erwartet und so werde ich bis zum letzten Tag meine Arbeitskraft für meinen jetzigen Arbeitgeber erbringen, bevor ich mit wehenden Flaggen meinen neuen Job als Führungskraft mit 12 Mitarbeitern antreten werde.

Warum schreibe ich das so ausführlich? Weil ein Mann, der seinen Weg geht, nicht nur problemlos das Risiko eines Arbeitgeberwechsels tragen kann, sondern diese Entscheidung allein trägt. Keine Frau will die Entscheidung mittragen oder selber fällen, keine weiblichen Bedenken, kein Gejammer wegen eines (in diesem Fall nicht nötigen) Umzugs, weil SIE ja dann ihre Freundinnen verliert. Mann selbst entscheidet über seine Karriere. Und das Wichtigste zuletzt: Netzwerken! Ich hätte nie die optimalen Bedingungen schaffen können, wenn ich nicht den Fingerzeig des ehemaligen Kollegen erhalten hätte. Von daher, Männer, netzwerkt was das Zeug hält. Versucht, gute berufliche Beziehungen zu Kollegen aufzubauen und zu halten. Geht zu Messen und Branchentreffen. Erneuert eure beruflichen Beziehungen. Nutzt Xing und LinkedIn. Nicht um von unseriösen Headhuntern gefunden zu werden, sondern um den Kontakt zu halten. Ich bin bei meinem aktuellen Unternehmen nicht unglücklich und sogar mit meiner Chefin zufrieden, aber es liegt vieles im Argen bei meinem Arbeitgeber. Das war für mich auch ein Grund, irgendwann zu wechseln. Und dann ging alles auf einmal ganz plötzlich. Dann heißt es auch, Mut zur eigenen Courage zeigen, die Chance zu ergreifen und das ganze knallhart durchziehen. Dazu gehört auch, unter Umständen keine Kosten zu scheuen. Ich habe nicht nur volle 6 Tage für Coaching und AC verbraucht, sondern für das Coaching einen vierstelligen Betrag hingeblättert. Aber das war es wert! Wo andere im Rollenspiel ins Stottern gerieten, in der Gruppendiskussion untergingen oder armselige Flipcharts ablieferten, war ich stets bestens vorbereitet. Was für mich die Kirsche auf der Sachertorte ist: Im Team sind keine Frauen. Ich kann mich voll und ganz auf die Führung einer Männergruppe konzentrieren, wo Fachfragen im Vordergrund stehen und kein emotionales Rumgehampel, weil Frau ihr Projekt nicht schafft und das böse Patriarchat daran Schuld ist.

Ab sofort werde ich wieder regelmäßig bloggen, versprochen!

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