Gillette

Gut, ich bin vermutlich der letzte Mann auf Erden, der seinen Senf zu dem aktuellen Gillette Werbespot in den USA abgibt. Aber da dieser Blog auch eine Chronologie männerfeindlicher Tendenzen in unserer angeblich so aufgeklärten, westlichen Gesellschaft sein soll, werde ich mich trotzdem dazu äußern, ätsch! 😉

Hier erstmal das Machwerk, damit sich jeder eine Meinung bilden kann:

Übel oder?

Die ersten Worte aus dem off sind:

bullying (Mobbing), the #metoo movement against sexual harassment, toxic masculinity

Dazu blicken wir in die betretenen Gesichter von Männern, ganz so, als ob sie von endlosen Schuldgefühlen geplagt sind. Als ob sie alle Mobber und Sexisten sind und toxische Männlichkeit im Alltag versprühen. Dabei sehen die meisten der gezeigten Kerle eher wie müde, vom Alltag geschaffte, alte Männer aus, aber nicht wie der typische Mobber oder Sexist am Arbeitsplatz.

„Is this the best a man could get?“ Nicht als Frage sondern als Ausruf war dieser Satz jahrelang der Werbeslogan von Gillette. Nicht das Männer diesen Satz früher geglaubt oder die anmutigen Bilder von tollen Kerlen, die nichts schöner fanden, als sich morgens vor der Arbeit zu rasieren, als Realität ansahen. Rasieren morgens ist für die meisten eine lästige Pflicht, wie der morgendliche Toilettengang oder das Fingernägel schneiden.

Gut, Gillette will das also heute selbst ironisch verstanden wissen und sich von dem alten Werbebild lösen. Das ist ihr gutes Recht. Werbung ist immer ein Spiegel ihrer Zeit. Erinnert sich noch jemand an die sexy FA Werbung, die früher im deutschen TV lief? Kann man sich heute drüber aufregen, muss man aber nicht. War halt damals so. Na und?

Nachdem Gillette sich nun quasi für ihre alten „Fehler“ in der Werbung entschuldigt, werden wir nun mit dem Problem des Mobbings konfrontiert. Eine Gruppe Jungen (keine Mädchen dabei, dabei mobben die meist noch fieser als Jungs) verfolgt einen einzelnen Jungen, während im Vordergrund eine Mutter (Merke: Frau = gut, Mann = böse) ihren Sohn tröstet, der Opfer von cybergrooming geworden ist.

Von da machen wir den Schwenk hin zu uralten Comicfilmen und alten Serien, die zugegebener Maßen schon sexistisch sind. Aber wie gesagt, uralt und ein Spiegel ihrer Zeit. Wir wollen da nicht wieder hin, aber die Männer von heute sind nicht dafür verantwortlich, dass die Generation ihrer Väter oder Großväter da anders veranlagt war.

Wir schwenken weiter zu einer Szene aus dem Berufsleben, wo der Chef der einzig anwesenden Frau die Hand auf die Schulter legt und jovial erklärt, dass sie eigentlich was anderes ausdrücken will, als das was sie gesagt hat. Es mag solche Chefs noch geben, die so ein Verhalten in der Firma an den Tag legen, die Norm ist das nicht. Längst gibt es Compliance Regeln, Gleichstellungsbeauftragte, sensibilisierte Betriebsräte usw. Ich habe so ein Verhalten in über 15 Jahren Berufserfahrung weder bei meinem Arbeitgeber noch in ungezählten Meetings bei Kunden erlebt. Gut, meine Welt ist nicht maßgeblich für alle da draußen im Berufsleben. Mit etwas Wohlwollen könnte man Gillette an diesem Punkt sogar zustimmen.

Boys will be boys. Ja, Jungen in dem gezeigten Alter (schätze so um 6 Jahre rum) fangen an, eine natürliche Rangordnung auszukämpfen. Die vielen kleinen Prügeleien und einzelnen Schläge, die man austeilt und einsteckt sind meist harmlos. Zumindest war es zu meiner Zeit so. Wer am Boden unten lag, hat verloren und der „Kampf“ war zu Ende. Ganz nach der Fight Club Regel:

3rd RULE: If someone says „stop“ or goes limp, taps out the fight is over.

Aber klar, in einem durch und durch feminisierten Erziehungsumfeld ist dieses Gehabe von Jungen nicht erwünscht. Still wie Mädchen sollen sie um einen Tisch herum sitzen, den Geschichten der Erzieher lauschen und gemeinsam irgendwas stricken. Das ist so wider der Entwicklung von Jungen. Was wir auf diese Weise am Ende bekommen, sind verhaltensauffällige, verweiblichte Männchen, die sich später wundern, warum sie wegen ihres unmännlichen, unsicheren Verhaltens keine Frau abbekommen.

Und wieder sind die Väter (Väter = böse, Mütter = gut) auf der Anklagebank. Sie lassen die Jungs gewähren und stehen am Grill (Fleisch = böse!) und schauen dem Treiben der Jungs amüsiert zu. Wissen sie doch, dass sie es damals genauso gemacht haben. Jetzt ist mal wieder Zeit genau hinzusehen: Der erste Mann, der sagt

„Boys will be boys“ ist weiß, dann folgt ein Schwarzer. Danach zoom die Kamera in die Totale. Und was sehen wir? Nur verhasste weiße Männer stehen hinter den verhassten Kohlegrills (Feinstaub = böse) und singen im Chor „boys will be boys“. Das Feindbild ist klar: Der weiße, heterosexuelle Mann. Ich bin zufällig auch ein weißer, heterosexueller und nicht mehr ganz junger Mann. Ich fühle mich hier zum wiederholten Male persönlich angeklagt und diskreditiert.

OK, nachdem wir uns am Bullying, oder was Gillette dafür hält, abgearbeitet haben, geht’s weiter zum sexual harassment. Eine Flut paralleler Nachrichten zum Thema macht klar, hier geht’s weiter auf der Anklagebank. Und Gillette glaubt an das Gute im Mann. Die Männer müssen sich ändern! Als ob jeder Mann Frauen sexuell belästigen würde. Dazu fährt man einen ehemaligen NFL Spieler auf, heute ein Schauspieler und Aktivist. Was er wohl für seinen kurzen Auftritt von Gillette kassiert hat? Jedenfalls tönt er von der Kanzel ins Mikrofon:

Men need to hold other men accountable.

Deutsch: Männer sollen andere Männer zur Rechenschaft ziehen.

Wie bitte? Zur Rechenschaft ziehen? Verurteilen? Eine Standpauke halten? Also wirklich. Wenn überhaupt kann man einem anderen Mann mal dezent einen Hinweis geben, dass der Spruch gerade nicht so gut war. Aber das wars dann auch. Gillette gibt uns dummen, sexistischen, weißen Männern nun einige Beispiele, wie wir uns zu verhalten haben. Denn ….

„The boys watching today will be the men of tomorrow“.

Gleichzeitig setzt nun eine euphorische Klangkulisse ein. Wenn alle Männer sich nur ständig gegenseitig beobachten, maßregeln und verbessern, ja dann wird die Welt endlich das Paradies auf Erden werden. (Klingt wie in Orwells 1984!)

THE BEST A MAN CAN GET

IT’S ONLY BY CHALLENGING OURSELVES TO DO MORE

THAT WE CAN GET CLOSER TO OUR BEST

WE ARE TAKING ACTION AT THEBESTMANCANBE.ORG

JOIN US

Au weiah. mgtows kommt euch das nicht bekannt vor? Ich übersetz mal kurz:

Männer, zurück auf die Plantage, macht euch den Rücken krumm für Frau und Kinder, schuftet bis zum Umfallen, damit sie es gut haben. Erwartet weder Dank noch Anerkennung. Als Mann seid ihr Depp und Diener für die Frau und ihren Nachwuchs. Klagt nicht, arbeitet bis zur Rente (oder dem Schlaganfall). Wenn sie euch verlassen hat, war es eure Schuld! Dann wart ihr nicht gut genug, habt nicht genug an euch gearbeitet, nicht genug Kohle ran geschafft, habt sie enttäuscht, so dass sie euch verlassen musste.

In der von allgegenwärtiger Werbung übersättigten Welt müssen sich die Werbetreibenden ständig etwas ausdenken. Und häufig werden dabei seltsame Pfade eingeschlagen. Erinnert sich noch jemand an die Benetton Werbung mit den blutigen Klamotten von Kriegsopfern? Das war zum Beispiel geplante Empörung. Die ganze Welt sprach über Benetton, Ziel erreicht.

Gillette hat sich da was anderes ausgedacht: Wir beschimpfen pauschal unsere Hauptkundschaft, erklären, was sie alles im wahren Leben falsch macht und spielen uns zum Wächter von Moral und Tugend auf, indem wir abschließend noch erklären, wie Mann (Kunde) es richtig macht. Ein gutes Konzept? Ich jedenfalls fühle mich als Mann in Sippenhaft genommen, als moralisch fragwürdig dargestellt, als Depp, dem man noch Umgangsformen und soziale Normen anerziehen muss.

Sorry Gillette, ihr habt wirklich den Schuss nicht gehört.

Aber das ihr ja ein uramerikanisches Unternehmen seid, versteht ihr ja die Macht des Konsumenten. Gillette Produkte sind bei mir ab sofort gestorben. Keinen müden Euro werde ich jemals mehr in eure Produkte investieren. Das trifft übrigens auch auf eure Muttergesellschaft Procter & Gamble zu! Wella vertreibt ebenfalls eure Produkte und ist daher auch von meinem Bannstrahl getroffen. Ebenso Braun und Duracell. Dabei waren die Duracellhasen aus der Werbung früher mal echt süß. Und eure mit giftigen Stoffen vollgestopften Batterien trieben mein ferngesteuertes Spielzeugauto an. Damals …

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Ein Gedanke zu “Gillette

  1. Pingback: Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler versucht sich in sexistischer Werbung | mgtow klartext

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