ein paar Gedanken von und zu Karl Lagerfeld

Letzte Woche, genauer am 19.2.2019 verstarb eines der größten Genies der Modewelt, Karl Lagerfeld, mit 85 Jahren. Ich halte zwar nichts von Personenkult, aber der in Paris lebende deutsche Modeschöpfer, Designer, Fotograf und Kostümbildner ist aus einem besonderen Grund mir immer irgendwie sympathisch gewesen. Und zwar wegen seiner frechen Sprüche, die weder auf die grassierende political correctness (pc) noch auf den feministische Wahn Rücksicht genommen haben. Natürlich gibt es auch genug andere Sprücheklopfer, aber Lagerfeld hat bewiesen, dass er nicht nur ein Maulheld ist, sondern in seinem Leben richtig etwas geleistet hat. Seit 1974 (mit Unterbrechungen) kreierte Lagerfeld bis zu seinem Tod Mode für Damen und Herren für verschiedene Label und unter seinem eigenen Namen . 1958 ging Lagerfeld zu Jean Patou und war dort von 1958 bis 1963 künstlerischer Direktor. 1958 brachte Lagerfeld auch seine erste eigene Kollektion heraus. 1963 wechselte Lagerfeld als künstlerischer Direktor zu Chloé, entwickelte dort bis 1978 Kollektionen und verließ das Unternehmen nach Unstimmigkeiten mit den Eigentümern. Hier zeigt sich einmal mehr der selbstbewusste, ungeknechtete Mann: Er geht, statt zu buckeln und zu bleiben, wenn es mit dem Vorgesetzten oder dem Eigentümer Streit gibt. Seit 1983 fungierte er als Kreativdirektor und Chefdesigner bei dem französischen Modehaus Chanel, dessen Revival in den 1980er Jahren und anschließender Aufstieg zu einem internationalen Milliardenkonzern zu großen Teilen Lagerfeld zugeschrieben wird. 1992 ging Lagerfeld zu Chloé, wo er als Chefdesigner bis 1997 tätig war. Aber nicht nur in der absoluten Preisoberklasse war Lagerfeld zu Hause. Er arbeitete auch für Tommy Hilfiger, Diesel, den deutschen Provinzler Steilmann, Quelle Versand und Hennes & Mauritz. Lagerfeld gründete auch eigene Modelabels, von denen aber nicht alle erfolgreich waren. Trotz allem wird sein Vermögen auf ca. 200 Mio US$ geschätzt. Respekt! Aber das ist die Belohnung für unternehmerisches Risiko. Neben Mode entwarf Lagerfeld auch Düfte für Damen und Herren. Ich habe Lagerfelds Eau de Toilette „Photo“ geliebt. Leider schon lange aus dem Programm genommen. 😦

Lagerfeld war auch nie verheiratet. Wie es sich für einen großen Künstler gehört hat, ersetzten diverse männliche wie weibliche Musen die klassische Ehefrau. Zu Lagerfelds Musen gehörten die Models Inès de la Fressange, Claudia Schiffer, Toni Garrn, Freja Beha Erichsen, Lara Stone, Daria Werbowy, Brad Kroenig, Baptiste Giabiconi, die Sängerinnen  Beth Ditto, Lily Allen, Florence Welch und Kaia Gerber, Tochter von Cindy Crawford. Bei Beth Ditto musste ich schmunzeln. Aber vielleicht hat der Fettklops Lagerfeld inspiriert, durch Diät insgesamt 40 kg abzunehmen. 😉

So, aber nun zu Lagerfelds Sprüchen, den Besten aus mehreren Jahrzehnten:

über die Sängerin Adele:

2012 deutete Lagerfeld an, dass Adele „etwas rundlich ist“. Den anschließenden Shitstorm wetterte Lagerfeld ab, nur um 2013 nochmal nachzulegen:

Ich habe nie gesagt, sie sei fett. Ich habe gesagt, dass sie etwas rundlich ist. Rundlich ist nicht fett. So ein hübsches Mädchen und danach hat sie acht Kilo abgenommen. Die Nachricht war also gar nicht so schlecht.

über Pippa Middleton, Schwester von Herzogin Kate:

Ich mag ihr Gesicht nicht, sie sollte lieber ihren Rücken zeigen.

über Lady Di:

Lady Diana war hübsch und irgendwie süß. Aber allen voran auch dumm.

über dicke Frauen:

Im selben Jahr sagte Lagerfeld im der Talkshow „Le Grand 8“ beim französischen Fernsehsender D8:

Keiner im Publikum will Frauen mit Rundungen sehen.

Das Loch in den Sozialkassen kommt auch von Krankheiten, die sich zu dicke Leute eingefangen haben.

Es sind die dicken Mütter mit ihren Chipstüten vor dem Fernseher, die sagen, dünne Models seien hässlich.

Lagerfeld wurde von der Vereinigung „Schön, rund, sexy – ich steh‘ zu mir“ deswegen wegen „Diffamierung und Diskriminierung der Gemeinschaft von Frauen mit Rundungen“ angezeigt. Wie die Sache ausgegangen ist? Keine Ahnung, Lagerfeld hat es jedenfalls sichtlich nicht geschadet. (Haha)

über Angela Merkel:

Auch mit der „mächtigsten Frau der Welt“ Angela Merkel legte sich Lagerfeld in der französische TV-Show „Salut les Terriens“ an:

Ich werde Ihnen etwas Schreckliches erzählen: Wir können nicht, auch wenn Jahrzehnte dazwischen liegen, Millionen von Juden töten und später dann Millionen ihrer schlimmsten Feinde ins Land holen. Die Politik der offenen Türen würde Merkel nur zulassen, um ihr Debakel mit der Griechenland-Krise in Vergessenheit zu bringen. Außerdem solle es ihr „Image als Rabenmutter“ in Europa wieder verbessern.

In Deutschland würde jeder kleine Mann dafür im Beruf und im privaten Umfeld in größte Schwierigkeiten geraten. Ein Jahr später legte Lagerfeld auch hier nach:

Er „hasse“ Bundeskanzlerin Angela Merkel für ihre Flüchtlingspolitik: „Selbst wenn Jahrzehnte dazwischenliegen, kann man nicht Millionen Juden töten und später dann Millionen ihrer schlimmsten Feinde holen“. Mit ihrer Entscheidung, „eine Million Zuwanderer“ in Deutschland aufzunehmen, habe sie der AfD bei den Wahlen 2017 den Weg in den Bundestag geebnet. Nun säßen „100 dieser Neonazis im Parlament“, da Merkel die deutsche Geschichte „vergessen“ habe. „Wenn das so weitergeht, gebe ich die deutsche Staatsangehörigkeit auf.“

Aber Lagerfeld kann auch über sich selbst Witze machen. Und das macht ihn gleich doppelt sympathisch!

Lagerfeld über Lagerfeld:

Meine Mutter hat versucht, mich für das Klavierspiel zu begeistern. Eines Tages klappte sie den Klavierdeckel auf meinen Fingern zu und meinte: ‚Zeichne lieber, das macht weniger Lärm‘.

Kinder wollte ich nie haben. Denn wenn mein Kind mir überlegen wäre, wäre mir das nicht recht gewesen, und wenn es mir unterlegen wäre, hätte mir das auch nicht gepasst.

mgtows kennen noch mehr Gründe, keine Kinder haben zu wollen!

Ich bin eine Art Mode-Nymphomane, der nie einen Orgasmus hat. Ich bilde mir immer ein, ich könnte es noch besser machen.

Man lernt nur aus seinen Fehlern. Erfolg hat noch keinem geholfen.

Mir geht manches durch den Mund, bevor es mir durch den Kopf geht.

Man muss das Geld zum Fenster rauswerfen, damit es zur Tür wieder reinkommt.

Zwischen mir und dem Rest der Welt steht eine Glaswand.

Scham ist eine Frage der Selbstachtung.

Ich leide an einer Überdosis meiner selbst.

Am Fließband stehen, das ist Arbeit. Was ich mache, ist Freizeitgestaltung mit beruflichem Hintergrund.

über #metoo:

Das ist unglaublich. Wenn du nicht willst, dass dir jemand die Hose herunterzieht, dann werde kein Model. Geh in ein Nonnenkloster (…)

Die Aussage tat Lagerfeld, als er auf Vorwürfe gegen den britischen Stylisten Karl Templer angesprochen wurde. Ein Model warf Templer vor, sie sexuell belästigt zu haben. Lagerfeld sagte dazu nur lakonisch:

Ich glaube kein Wort davon. Ein Mädchen beschwerte sich, er habe versucht, ihr die Hose herunterzuziehen – und er wird sofort exkommuniziert von einer Branche, die ihn bis dahin verehrt hatte. Ich habe irgendwo gelesen, dass man jetzt ein Model fragen muss, ob es sich wohl fühlt beim Posieren. Es ist einfach zu viel, von nun an kann man als Designer nichts mehr machen.

über den Weinstein Skandal:

Was mich am meisten schockiert, sind die Sternchen, die 20 Jahre gebraucht haben, um sich zu erinnern, was passiert ist. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass es keine Zeugen gibt.

über Stil:

Es zeugt von geringem Niveau, teure Kleidung zu kaufen, um anderen den Reichtum zu beweisen.

Ich hasse das Wort billig. Menschen sind billig, Bekleidung ist dagegen teuer oder preiswert.

Jogginghosen sind das Zeichen einer Niederlage. Man hat die Kontrolle über sein Leben verloren und dann geht man eben in Jogginghosen auf die Straße.

Eine Frau ohne Stil hat auch in einem Kleid mit Stil keinen Stil.

Ein Selfie ist elektronische Masturbation.

Es gibt Menschen, die legen sich an den Strand und warten dort, dass die Inspiration zu ihnen kommt. Nur kommt die Inspiration nicht einfach an den Strand.

über Mode:

Mode ist die Nachahmung derer, die sich unterscheiden wollen, von denen, die sich nicht unterscheiden.

Der emanzipierten Frau ins Stammbuch: Wer Ellbogen zeigt, kann auch Knie zeigen.

Der Mode entkommt man nicht. Denn auch wenn Mode aus der Mode kommt, ist das schon wieder Mode.

über das Altern:

Jugend ist eine neue Form des Rassismus, eine Obsession. Es ist die einzige soziale Ungerechtigkeit, die es wirklich gibt.

Wer heute als schön gilt, wird morgen kaum noch zum Putzen bestellt.

Nichts macht einen älter, als wenn man versucht, jung auszusehen.

Zukunft ist die Zeit, die übrig bleibt.

Den Mann muss man einfach lieben. 🙂 Rest in Peace Karl Lagerfeld. Die Welt hat einen großen Künstler, Designer und Freigeist verloren.

Werbeanzeigen

Ein Gedanke zu “ein paar Gedanken von und zu Karl Lagerfeld

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s