Männermagazine

Nein, es geht heute nicht um DAS männermagazin, sondern um das Equivalent zu den typischen Frauenmagazinen wie Gala, Annabel, Woman’s Health, Elle, Bild der Frau usw., über die Männer sich zu Recht lustig machen. Es sagt viel über Frauen aus, wenn man sieht, was am Zeitschriftenregal für diese so ausliegt. Aber sind Männer wirklich so viel besser? Ich sitze gerade in meinem Hotelzimmer in Zürich, wo es mich für eine Nacht beruflich hin verschlagen hat. Auf dem Flug gab es in der Businessclass kostenlose Zeitschriften zur Auswahl. Normalerweise lese ich dann eine Tageszeitung, aber diesmal fiel mir die GQ auf. Auf dem Titelbild prangte Karl Lagerfeld, und so beschloss ich, das Magazin auf dem Flug zu lesen. (Nicht das ich jemals dafür Geld ausgegeben würde!) Denn wie wir gleich sehen werden, ist die GQ nichts anderes als das Gala Magazin der Männer. Und wer sowas wie GQ abonniert, der …. Naja, lassen wir das. Ihr wisst, was ich meine.

Nun, die Ikone Karl Lagerfeld ist also Thema der Ausgabe 4.2019. Ganze 7 Seiten füllen die beiden Artikel zu Lagerfeld. (Seite 51-57), davon sind die Seiten 51, 52, 55 und 57 ganzseitige Fotos. Auf den restlichen Seiten verteilen sich die Artikel, eingezwängt zwischen weiteren Fotos. Ich vermute, der moderne GQ Mann ist nicht mehr in der Lage, längere Texte zu lesen und zu verstehen. (Ganz im Gegensatz zu Lesern der FAZ am Sonntag!) Die Artikel sind in besonderer Weise nichtssagend aber schön emotional. Fast meint man Class Relotius vom Spiegel hinter seiner Olivetti Schreibmaschine erkennen zu können, wie er bei einem Joint seine Texte zusammenfantasiert. Der 2. Artikel handelt im wesentlichen von dem GQ Mitarbeiter Clark Parkin und seinem Versuch, bei Lagerfeld arbeiten zu dürfen. Nachdem ich diese beiden Machwerke gelesen hatte, hätte ich die GQ am liebsten durch die Kabine geschleudert. Wer sowas abliefert und sich für einen Journalisten hält gehört in die Klapse! Ansonsten besteht die GQ wie alle diese „Männermagazine“ im wesentlichen aus Werbung für Kleidung, Uhren, Parfüms, Schmuck und Autos. Bei einer Gesamtzahl von 172 Seiten entfallen auf die entsprechenden Kategorien:

  • Kleidung 25 Seiten
  • Uhren 9 Seiten
  • Parfüms 10 Seiten
  • Autos 3 Seiten
  • Schmuck 3 Seiten

sowie geschätzt weitere 60 Seiten mit als Artikel verschleierte Werbung. (Die graue Uhr fürs Business, das tragen Sie dieses Jahr im Sommer, hier müssen Sie dieses Jahr in den Urlaub fliegen, usw. usf.) Eine einzige Anleitung für Konsumsklaven.

Auch das modische Bild von Männern, das vermittelt wird, ist einfach nur zum Brechen:

  • Tuntendress [von Plein] (S. 5)
  • nordkoreanischer Lageraufseher [von Stone Island] (S. 6)
  • Jüngling mit Herrenhandtasche [von Marc O’Polo] (S. 24)
  •  leidender Jüngling mit Plastikjacke [von Colmar] (S. 29)
  •  Der letzte Müll von der New York Fashion Week [Plein, Boss, Michael Kors, Gucci] (S. 42)
  •  Microbags für Männer (sprich: Handtaschen, LOL) (S. 78)
  • See-Through Klamotten für Männer (S. 79)
  •  Ruffles für Männer (Rüschen, ich schmeiß mich weg) (S. 80)
  •  Trendfarbe des Sommers: grelles Lime-Green (S. 82)

usw.

Im Grunde genommen ist das wie bei den HD Varianten des Prekariats-TVs. Da zahlt man auch, um Werbung, unterbrochen von scripted reality Müll zu sehen. Echte Männer brauchen das nicht. Sie brauchen keine GQ, die ihnen erklärt, dass zum Mannsein die Rolex, die Schuhe von Nike , das Sakko von Hugo Boss und der Porsche 911 gehören würde.

Kurz blieb ich beim Bauhaus Artikel hängen, immerhin wurde die Designschmiede dieses Jahr 100 Jahre alt und ich habe ein Faible für das Bauhaus Design. Aber auch hier nichts neues. Den Artikel kann jeder Volontär in 2 Minuten hinrotzen, dazu 4 Fotos von berühmten Bauhaus Designs und fertig ist die Laube. WOW! Am Ende hab ich das Heft immer schneller durchgeblättert, keinen der nichtssagenden Artikel gelesen, sondern nur noch die Überschrift gelesen. Aber halt, was ist das? Ab Seite 170 geht’s um Sex Roboter, genauer gesagt um Harmony, die neuste „Errungenschaft“ aus dem Hause Realbotix. Der Artikel endet auf Seite 177, und wie erwartet, sind alle Seiten zu mindestens 50% mit Bildern zugekleistert. Trotzdem ist der Artikel ganz interessant. Hätte ich nicht erwartet. Auch wenn Realbotix nicht wirklich einen Sexrobot aktuell produziert. Es ist immer noch im wesentlichen eine Gummipuppe Deluxe, die als aktuellen Gimmick eine KI wie Siri oder Alexa besitzt. Solange Harmony sich nicht von alleine bewegen kann, ist es kein Robot, Punkt aus! Realbotix steht also immer noch ganz am Anfang seines Weges. Ich glaube jedenfalls, es wird knapp für mich, wenn ich einen richtigen Sexbot noch erleben möchte. (Gemäß meiner Definition hier im Blogbeitrag zum Film Ex Machina). Ein ganz klein bisschen hat mich der Artikel aber dann doch mit der GQ versöhnt.

Dennoch bleibt mein abschließendes Urteil: Hochglanzaltpapier für Konsumsklaven. Empfehlung: nicht kaufen. Das hat ein richtiger Mann nämlich nicht nötig.

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3 Gedanken zu “Männermagazine

  1. Meine Definition eines Mannes.
    Ein Mann hat eine feste Überzeugung und steht auch dazu.
    Er ist auch jederzeit bereit, Diese gegen jegliche Art von Angreifern zu verteidigen.
    Er handelt niemals gegen seine Überzeugung.
    Sollte Ihn Jemand zwingen wollen, gegen seine Überzeugung zu handeln, lehnt er das vehement ab und kämpft für seine Überzeugung.
    Im letzten Notfall sogar bis zum Tod, wie in dem absolut genialen Stück:“Lieber stehend sterben, als kniend Leben“.

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    • Eine feste Überzeugung ist problematisch, denn man sollte sich immer der Möglichkeit bewusst sein, dass man falsch liegt, weil man nicht alles weiß. Eine Überzeugung ist nichts Schlechtes, wenn sie durch eine schlüssige Argumentation geändert werden kann. Wer seine Überzeugung trotz schlüssiger Gegenargumentation beibehält, ist per Definition irrational.

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  2. Diesen ganzen Werbemagazinen kann ich nichts abgewinnen. Auch die ganzen Technikmagazine sind eine reine Werbeveranstaltung, denn nie kommt ein schlechtes Produkt wirklich schlecht weg.
    Für aktuelle Modetrends interessiere ich mich nicht. Ich muss mir nicht sagen lassen, welches Parfüm, welches Auto, welche Klamotten oder welche Uhr ich kaufen soll. Ich bin zufrieden mit Proraso, Cargohose, Batikshirt, Flanellhemd und Schlapphut.
    Der ganze Konsumwahnsinn führt doch nirgends hin. Immer mehr zu haben als Lebensziel führt nicht zu Zufriedenheit, denn man gelang nie am Ziel an, so lange das Ziel „mehr“ ist. Ich gehöre zu Den Glücklichen. Ich könnte mehr haben, habe Karriereangebote aber zu Gunsten eines ruhigeren Jobs ausgeschlagen. Mir reicht was ich habe. Das können nur Wenige von sich sagen, aber diese Zufriedenheit ist ein Quell der Ruhe und Gelassenheit. Es ist nicht so dass ich keine Ziele hätte, aber auch wenn alles bleibt wie es ist, bin ich nicht unzufrieden. Ich habe mein kleines, nicht ganz ausgebautes Haus, ich kann in meinem zerbeulten, rostigen Auto rumfahren, mich in meine Hängematte legen, ein Glas guten Wein trinken und meine Zeit auf Erden genießen. Ich glaube nicht, dass mich mehr materieller Besitz glücklicher machen könnte. Das Glück durch noch mehr Besitz ist nur die Illusion, der man hinterher jagen soll.

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